Interview mit Lisa Hamid von Superelevant

Interview mit Lisa Hamid von Superelevant

Lisa Hamid ist Mitbegründerin des nachhaltigen Fair Fashion Labels Superelevant, welches faire und nachhaltige Accessoires herstellt. Im Herbst soll zusätzlich, via Crowdfunding, faire und nachhaltige Streetwear finanziert und produziert werden. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie fünf Fragen beantwortet.

Wieso wollt ihr nachhaltige statt herkömmliche Streetwear produzieren?

Im Großen und Ganzen setzt sich unsere Philosophie aus 3 Kernaspekten zusammen: “selective, conscious, honest”. Das bedeutet wir versuchen tagtäglich hohe Qualität, Nachhaltigkeit und Transparenz in Einklang und Balance zu bringen. Als wir mit dem Modelabel Superelevant angefangen haben, sind wir viel zu oft mit den negativen Seiten der Modeindustrie konfrontiert worden. Abfallmanagement, Überproduktion, unmenschliche Arbeitsbedingungen, Intransparenz. Mit vielem waren wir vorher schon in Berührung gekommen, aber in diesem Kontext natürlich verstärkt. Für uns war es wichtig, dort einen Ansatz zu finden, um es besser zu machen. Das war für uns nun erstmal die Schaffung von hohen Standards an Zulieferer und Partner, beispielsweise durch Zertifizierungen (GOTS) oder durch enge und transparente Zusammenarbeit.

Wir achten stark darauf, dass es sich bei unseren verarbeiteten Materialien um Naturmaterialien handelt, die nicht mit schädlichen Chemikalien behandelt werden und dass es professionelle Abwasserlösungen gibt, um nur einige Punkte zu nennen. Wir können jetzt schon sagen, dass wir nahezu hundertprozentig auf Plastik und ähnliche unnachhaltige Materialien verzichten. So werden unsere Tshirts und Hoodies zukünftig beispielsweise in einer biologisch abbaubaren Plastikalternative verpackt. Für uns war nicht vereinbar, dass wir mit unserem Label zu den aktuellen und zukünftigen Umweltproblematiken beitragen. Aber auch wir sind nicht perfekt. Das, was wir jetzt tun, ist ein erster Ansatzpunkt. Dennoch gibt es noch viel Luft nach oben und wir hoffen, dass wir diesen Raum mitfüllen können.

Nachhaltigkeit hat für uns aber auch etwas mit Qualität zu tun. Zum einen durch reine Naturmaterialien, die in vielen Punkten Mischmaterialien, beispielsweise mit Elasthananteil, unserer Meinung nach überlegen sind. Andererseits heißt Nachhaltigkeit auch für uns eine hohe Qualität im Sinne der Langlebigkeit unserer Produkte. Unsere Shirts sollen keine Eintagsfliegen in den Kleiderschränken unserer Kunden sein.

Aus welchen Materialien soll die Kleidung hergestellt werden?

Wir stellen unsere erste Kollektion aus 100% Baumwolle, also einem Naturmaterial, her. Diese wird von GOTS-zertifizierten Herstellern in Asien erworben. Das GOTS-Zertifikat gibt uns die Sicherheit, dass die Hersteller bestimmte Nachhaltigkeits- und auch arbeitsrechtliche Standards befolgen. Sollte ein Lieferant solch ein Zertifikat nicht aufweisen können, heißt das jedoch für uns auch nicht immer, dass die Zusammenarbeit vom Tisch ist. Dann prüfen wir selbst intensiver inwiefern Standards eingehalten werden oder nicht. Für kleinere Betriebe ist so ein Zertifikat beispielsweise oftmals zu teuer. Generell schauen wir uns aber auch jetzt schon für zukünftige Produkte nach anderen noch nachhaltigeren und innovativen Materialien um.

Und wo soll die Kleidung produziert werden?

Die kommende Kollektion wird in Indonesien produziert. Wir wählen hier immer den Ansatz die Kleidung oder Accessoires dort produzieren zu lassen, wo es sinnvoll ist. Unsere Beutel lassen wir beispielsweise in Deutschland produzieren, da das verarbeitete Material teils aus Portugal kommt. Da die Baumwolle in Asien angebaut wird, fiel dort folglich auch die Wahl des Standortes der Produktion hin. Zum einen haben wir Indonesien gewählt, da es in diesem geografischen Raum immer noch das Land mit dem höchsten Mindestlohn im Verhältnis zu anderen Ländern ist, wobei wir natürlich den beteiligten Personen weit mehr als diesen zahlen. Stichwort ist hier der Existenzlohn. Zudem können wir so dort Arbeitsplätze schaffen und sichern. Zum anderen war für uns der Zugang zu Indonesien natürlich durch meinen eigenen Hintergrund – ich bin Halb-Indonesierin und in diesem Land aufgewachsen – leichter, was bei kleinen Startups ein großer Vorteil sein kann.

Auf eurer Homepage werden bereits zwei Gymbags und zwei Patches angeboten. Kannst du ein wenig mehr über die Accessoires erzählen?

Wir haben angefangen mit Accessoires, die wir natürlich weiterhin anbieten werden. Unsere Beutel bestehen zum Teil aus Korkstoff. Eine langlebige, nachhaltige und vegane Lederalternative, die unserer Meinung nach konventionellem Leder in keiner Weise unterlegen ist. Dieses Material kommt aus Portugal und wird dort unter strengen Richtlinien gewonnen und verarbeitet. So werden beispielsweise für die Produktion keine Bäume gefällt. Bei unseren Patches handelt es sich auch um in Deutschland produzierte Teile aus OEKO-TEX zertifiziertem Garn. Hier verfolgen wir das Prinzip des Upcyclings. Also einfach selber mal ein älteres oder vergessenes Kleidungsstück aufpeppen. Im Großen und Ganzen versuchen wir also mit den Produkten auf verschiedene Art und Weise nachhaltig zu sein und diesen Gedanken zu verbreiten. Alles unter dem Standard der Transparenz.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, dass euch über Mode hinaus beschäftigt?

Klar. Sowas kommt aber auch natürlicherweise. Einem selbst fallen immer mehr Dinge auf, die uns oder unserer Umwelt schaden und man probiert selbst auch privat etwas dagegen zu tun. Jeder von uns auf seine eigene Art und Weise. Für mich ist beispielsweise das fünfmal eingepackte Obst und Gemüse im Supermarkt ein No-Go. Oder generell zu viel nicht recyclebare Verpackung bei Lebensmitteln. Das heißt einfach mal drauf achten, wie viel Müll man eigentlich selbst produziert und diesen minimieren. Öfter zu kleinen Obst- und Gemüsehändlern oder zu Wochenmärkten gehen, Läden finden, die genau auf so etwas achten und nur noch mit dem eigenen Thermobecher lostrudeln, statt bequem auf die Einmalbecher aus Pappe zurückzugreifen.

Bildquelle: © Superelevant

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