Interview mit der Gründerin von Lanius

Interview mit der Gründerin von Lanius

Claudia Lanius ist die Gründerin des nachhaltigen Fair Fashion Labels Lanius, welches faire und nachhaltige Mode für Frauen herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie fünf Fragen beantwortet.

Wieso hast du dich dazu entschieden, Fair Fashion statt herkömmliche Mode herzustellen?

Ich habe mit 24 Jahren mit meinem damaligen Ehemann meine erste Firma, THC – The Hanf Company, gegründet. Hierzu hat mich das Buch “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” inspiriert und der Fakt, dass Hanf von sich aus ein nachhaltiger Rohstoff ist. Der erste große Kunde war der Versender Hessnatur, ein Pionier in Sachen Naturtextilien, von dem ich viel lernen durfte. Vor allem haben mich die Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards des Unternehmens so überzeugt, dass ich noch heute danach arbeite. Rücksicht nehmen auf Mensch, Tier und Umwelt macht für mich Mode noch etwas schöner.

Woher kommen die Materialien für eure Kleidungsstücke?

Wir nutzen verschiedenste Materialien aus unterschiedlichen Ländern. Im Sommer verwenden wir vor allem Biobaumwolle, Leinen, Hanf, Tencel, Modal und Seide. Wir sind besonders stolz auf unser Projekt mit der bioRe-Stiftung, von der wir den Großteil unserer Biobaumwolle aus Indien beziehen. Die bioRe-Stiftung fördert seit 1997 den Infrastrukturaufbau in Indien und Tansania und sichert so die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen von Bauernfamilien. Im Zentrum stehen dabei insbesondere der Anbau von Biobaumwolle als nachhaltige Lebensgrundlage sowie die Bereiche Gesundheit, Bildung und Existenzsicherung. Beim Kauf eines unserer Charityshirts fließen 3€ pro Shirt in das Schulprojekt der bioRe-Stiftung in Indien und ermöglichen so den Erhalt, Ausbau und Betrieb einer Schule für die Kinder unserer Biobaumwollbauern. In der von Lanius unterstützten Schule im Dorf Talapura werden mittlerweile 71 Kleinkinder unterrichtet und betreut. Wir schätzen die Arbeit der bioRe-Stiftung sehr und freuen uns, gemeinsam mit unseren Kundinnen einen Beitrag leisten zu können.

Tencel und Modal beziehen wir von der Firma Lenzing aus Österreich. Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Tencel ist Eukalyptusholz aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen aus Südamerika. Eukalyptus wächst schnell und kommt ohne künstliche Bewässerung und Pestizide aus. Die Modalfaser wird aus Buchenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt und ist biologisch abbaubar.

Grundsätzlich versuchen wir immer die Wertschöpfungskette im Land zu lassen und keine unnötigen Umwege zu nehmen. Das bedeutet z.B. bei der Produktion von Seide, die aus Asien kommt, dass wir auch dort produzieren. Gründe hierfür sind zum einen, dass Produktionen im Herkunftsland des Rohmaterials oft besonders gut in dessen Verarbeitung sind, zum anderen um die Wirtschaft im Land zu stärken und natürlich um unseren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Das Gleiche gilt auch für Alpakawolle, die aus Peru kommt und dort direkt zu unseren Strick-Lieblingsteilen im Winter verarbeitet wird.

Und wo wird die Lanius Kleidung hergestellt?

Wir lassen unsere aktuelle Frühjahr/Sommer Kollektion in 11 Produktionsstätten in 6 Ländern herstellen. Hierbei werden 56% in Europa und 44% in Asien produziert. Ich wähle jede Produktionsstätte persönlich aus und überzeuge mich vor Ort von den Bedingungen in der Produktion. Der persönliche Kontakt und die gute Zusammenarbeit sind für mich die mit Abstand wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Gelingen einzigartiger und hochwertiger Textilien. Dazu achten wir natürlich auf entsprechende Zertifikate. Dazu zählen das GOTS-Zertifikat, der Standard SA8000, das WRAP-Zertifikat, der BSCI Code of Conduct sowie die Auditierung durch die Fair Wear Foundation.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, dass dich über Mode hinaus beschäftigt?

Ja natürlich, wir haben nur diesen Planeten! In Sachen Ernährung und Energieverbrauch treffe ich beispielsweise immer, oder so gut wie immer, eine nachhaltige Wahl. So versuche ich mich mit der Zeit immer mehr über nachhaltige Alternativen in den verschiedensten Lebensbereichen zu informieren und meine Gewohnheiten zu hinterfragen und im Sinne der Nachhaltigkeit zu optimieren. Ich bin aber kein Hardliner und genieße das Leben auch gerne so wie es kommt.

Was erhoffst du dir für die Zukunft der Modeindustrie?

Ich erhoffe mir globale Regulierungen, die eine ökologische und soziale Produktionsweise weltweit zum Standard machen. Hiermit meine ich z.B. ein Verbot von giftigen, umweltbelastenden Chemikalien bei der Produktion von Textilien oder eine Kontrolle von Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung in jedem Land.

Bildquelle: © Lanius

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