Interview mit Designer Thomas Becker

Interview mit Designer Thomas Becker

Thomas Becker ist der Designer hinter dem gleichnamigen Schmucklabel Thomas Becker, welches hochwertigen, handgefertigten und nachhaltigen Schmuck anbietet. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat er sechs Fragen beantwortet.

Wieso hast du dich dazu entschieden, nachhaltigen Schmuck herzustellen?

Weil ich mein Leben, vor allem meinen Beruf und meinen privaten Konsum, verantwortungsvoll gestalten will und kann, denn die Entscheidung darüber liegt bei mir.

Was sind die großen Unterschiede zwischen nachhaltigem und herkömmlichem Schmuck?

Die umweltschonende und sozialverantwortliche Gewinnung der Materialien, die faire Bezahlung der Menschen im Bergbau und die Verbesserung der Lebensmöglichkeiten in den Herkunftsländern der Materialien. Wir achten darauf, dass weder Natur noch Menschen oder andere Lebenwesen bei der Gewinnung der edlen Materialien unnötig leiden müssen.

Der Lebens- bzw. Nutzungszyklus der Schmuckstücke, insbesondere, wenn sie aus endlichen Ressourcen angefertigt wurden. Wir fertigen Schmuckstücke, die genau für eine bestimmte Person geschaffen sind, also ein hohes Maß an Identifikation ermöglichen bis hin zum Erbstück, das an Kinder und Enkel weitergegeben wird. Außerdem sind unsere Schmuckstücke so angefertigt, dass sie repariert, angepasst und neu gestaltet werden können, ohne sie komplett zu zerstören.

Unser langfristiges Ziel ist es, individuelle Schmuckstücke aus nachwachsenden Ressourcen anzufertigen, denn in den westlichen Gesellschaften spielt der materielle Wert eines Schmuckstücks eine immer geringere Rolle. Viel wichtiger ist der Charakter als Ausdruck individueller Ästhetik, zu der neben der Formgebung auch die gelebte Verantwortung in Bezug auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit gehört.

Welche Steine und Metalle werden für die Thomas Becker Schmuckstücke verwendet?

Unsere Edelmetalle stammen aus drei Quellen:

1. Recycling-Gold, Recycling-Silber, Recycling-Platin und Recycling-Palladium. Wir kaufen selbst alten Schmuck, Zahngold, Barren und Münzen an, und recyceln sie, so dass wir wissen, was in unseren Schmuck kommt.

2. Identitätsgold und Identitätssilber: Wir beziehen Waschgold und Silber von kleinen Kooperaiven oder Hobby-Wäschern in naturbelassener Form. Da sich die in der Natur vorkommenden Metalle durch Ihre Beimengungen unterschieden, können wir die Herkunft der Waschgolde eindeutig bestimmen. So bieten wir Gold aus der Elbe, dem Rhein, der Donau und anderen Flüssen in Deutschland, Frankreich, Finnland, Alaska und Australien an.

3. Fairtrade-Gold aus einem eigens gegründeten Fairtrade-Projekt im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dort wird Waschgold möglichst umweltschonend und sozialverträglich gewonnen. Es dienst nachweislich nicht der Finanzierung von kriegerischen Auseinandersetzungen. Wir zahlen 100% des Weltmarktpreises + 10% für besseres Werkzeug und Sicherheitsausstattung, + 15% für den Verzicht auf Quecksilber und andere toxische Chemikalien + 10% für lokale Infrastrukturprojekte wie die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.

Unsere Edelsteine stammen ebenfalls aus:

1. dem Recycling, d.h. der Wiederverwendung alter Edelsteine, die wir vorsichtig aus getragenen Schmuckstücken ausfassen, überprüfen und nachschleifen lassen, um Beschädigungen zu beseitigen und den Schliff den aktuellen Standards anzupassen.

2. Vorkommen, die nicht in Ländern des globalen Südens liegen, deren Gewinnung unseren ökoligischen und sozialen Standards unterliegt und deren Herkunft eindeutig nachzuvollziehen sind. So verwenden wir Edelsteine aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Nordamerika und Australien.

3. Fairtrade-Edelsteine, vor allem aus Brasilien. Unsere Bezugsquelle ist Brazil-Gems. Die Mine wird umweltschonend betrieben, die Bergleute erhalten faire Löhne und Sozialleistungen und es wurde eine eigene Schleiferei etabliert, damit ein größerer Teil der Wertschöpfung im Herkunftsland verbleibt.

Wie lange arbeiten du und dein Team ca. an einem Schmuckstück?

Das hängt davon ab, wie viel Arbeitsaufwand nötig ist. Es gibt einfache Schmuckstücke, an denen arbeiten wir nur einige Stunden, es gibt aber auch aufwändige Arbeiten, die dauern mehrere Wochen. Gerade bei individuell angefertigten Schmuckstücken mit einer hohen emotionalen Bedeutung und entsprechender Gestaltung kann man die Zeit fast nicht mehr messen. Aber das sind die Stücke, die nicht nur handwerklich perfekt sind, sondern ihren TrägerInnen ans Herz wachsen.

Ist ethisches Handeln ein Thema, dass dich über Schmuck hinaus beschäftigt?

Natürlich könnte man versuchen, nur einen Teil seines Lebens ethisch zu gestalten und andere Teile weniger oder gar nicht. Das wäre immerhin besser, als sich überhaupt nicht um Fragen der ethischen Lebensführung zu kümmern.

Ich versuche so weit wie es mir erkennbar und gestaltbar ist, mein ganzes Leben nach ethischen Grundsätzen zu führen. Ich bin mir bewusst, dass es immer blinde Flecken ud Inkonsequenzen gibt. In meiner Goldschmiede achte ich auch darauf , dass ich die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitenden fair und förderlich gestalte, dass unsere Einrichtung nachhaltig ist genauso wie unsere Verpackung und unsere Energielieferanten.

Aber auch privat versuche ich ethisch zu leben: Der Bereich, der mir am wichtigsten ist, ist das Engagement im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo seit Mitte der 90er Jahre ein Krieg um die Bodenschätze geführt wird und Menschen getötet, vertrieben und vergewaltigt wurden. Wo aktuell Rechtlosigkeit, Hunger und Arbeitslosigkeit herrschen. Nach einigen Jahren des privaten Engagements habe ich den “Süd-Kivu e.V.” ins Leben gerufen, um in der Region, aus der unser faires Gold stammt, den Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Bildquelle: © Thomas Becker

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