Interview mit der Gründerin von Akya Berlin

Interview mit der Gründerin von Akya Berlin

Johanna Kempter ist die Gründerin des nachhaltigen Fair Fashion Labels Akya Berlin, welches faire und nachhaltige Jacken und Kimonos für Frauen und Männer aus Saristoffen herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie fünf Fragen beantwortet.

Wieso hast du dich dazu entschieden, Fair Fashion statt herkömmliche Mode herzustellen?

Dazu muss ich erst einmal sagen, ich komme eigentlich gar nicht aus der Modebranche, nach meinem Abschluss bin ich viel gereist und habe Tourismus-Management studiert, aber Mode hat mich schon immer interessiert. Auf meinen Reisen sind mir oft wunderschöne handgefertigte Produkte ins Auge gefallen. 2015 habe ich dann in Indien mit einem Upcycling-Startup gearbeitet, wir haben damals aus allem möglichen “Abfall” (alte CDs und Tapes, alte Verpackungen) Taschen, Möbel und alles Mögliche hergestellt. Davor habe ich für verschiedene NGO’s gearbeitet.

Ich denke das Reisen als Backpacker, unter anderem das tägliche Konfrontiert sein, mit der massiven Verschmutzung durch Plastik und Verpackungen und meine Arbeit haben damals dazu geführt, dass ich generell meinen Lebensstil nachhaltiger gestalten wollte, wozu natürlich auch Mode gehört. Ich bin da also eher reingerutscht könnte man sagen.

Wieso fiel deine Wahl gerade auf Saristoffe als Verwendungsmaterial?

Mir sind die Second Hand Sarees in Indien schon damals in einem kleinen Geschäft am Strassenrand aufgefallen. Dann habe ich angefangen mit einem befreundeten Schumacher aus diesen Stoffen Beutel zu machen und 2017, nach einer weiteren Reisen, habe ich dann jemanden kennengelernt, welcher ausschließlich mit Second-Hand Sarees arbeitet. Sarees sind leicht, luftdurchlässig und haben wunderschöne Muster. Die Sarees welche wir verwenden kommen aus Privathaushalten, wo sie gegen Haushaltsgegenstände oder etwas Geld eingetauscht werden. Dadurch wird jedes unserer Stücke ein ganz besonderes Unikat.

Wie bist du auf den Namen “Akya” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Akya kommt von einem Wort aus dem Sanskrit (Altindisch) “Aikya”, was soviel wie Einheit (Oneness / Wholeness) bedeutet. Der Name soll bedeuten, dass wir, wenn es um Nachhaltigkeit geht, einen ganzheitlichen Blick haben sollten, welcher soziale, ökologische und ökonomische Prozesse miteinbezieht, da wir eine Einheit sind – Natur und Mensch.

Welche weiteren Materialien werden für die Jacken und Kimonos verwendet?

Unter anderem verwenden wir Baumwolle und sind gerade dabei auch Kontakte für Tencel und andere Materialien, welche ökologisch und sozial nachhaltig gefertigt werden, zu knüpfen. Sowie zum Beispiel Bowstring Hemp, welches aus der Blüte eines lokalen Busches gewonnen wird und ohne Pestizide und ohne Wasser zu verbrauchen wild wächst. Anschließend gesammelt wird und zu Stoff verarbeitet wird. Zuletzt wird mit natürlichen Farben gefärbt. Das Wissen ist eigentlich uralt, aber durch konventionelle Methoden in Vergessenheit geraten.

Und wo wird die Kleidung hergestellt?

Unsere Kleidung wird in Indien hergestellt. Von einer kleinen Schneiderei unter fairen Bedingungen, was irgendwie eine Selbstverständlichkeit ist, finde ich. Die Angestellten dort verdienen einen (Lebens)lohn, welcher weit über den üblichen Standarts liegt und sind nicht der Modemaschinerie (Akkord- und Nachtarbeit) ausgesetzt. Ich finde es einfach schön mit Menschen persönlich zusammen zu arbeiten und zusammen zu wachsen. Wir besprechen Dinge gemeinsam und durch regelmäßige Visiten überzeuge ich mich davon, dass alle mit dem was sie tun glücklich sind.

Außerdem arbeite ich mit einem Frauenkollektiv zusammen, SAHELI WOMEN. Mit ihnen mache ich die Kimonos. Mir ist es eine Herzensangelegenheit, Frauen eine Möglichkeit zu bieten, unabhängiger und frei zu sein, anstatt von großen Betrieben als günstige Lohnarbeiter ausgebeutet zu werden, was ansonsten in der Modebranche eher üblich ist. Saheli Women ist eine Non-Governement-Organisation und wurde von einer Inderin ins Leben gerufen, die selbst in diesem Dorf in Rajasthan aufgewachsen ist und mittlerweile über 20 Frauen mit den unterschiedlichsten Hintergründen die Möglichkeit bietet, sich etwas dazuzuverdienen, sowie Gesundheitsvorsorge und schulische Bildung für ihre Kinder anbietet.

Auch in Zukunft möchte ich weiterhin Projekte unterstützen, welche lokale Handarbeit und Women Empowernment fördern. Es macht Spass mit Menschen direkt zu arbeiten, Produkte gemeinsam zu entwickeln und gemeinsam für dieselbe Sache zu kämpfen – nämlich eine nachhaltige und soziale Modebranche. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, es gibt viel zu tun.

Bildquelle: © Akya Berlin

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