Interview mit der Gründerin von l'amour est bleu
Interview l'amour est bleu Mode

Interview mit der Gründerin von l’amour est bleu

Thien Huynh ist die Gründerin des neuen Fair Fashion Labels l’amour est bleu. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie sieben Fragen beantwortet.

Du hast 10 Jahre in der “normalen” Modebranche gearbeitet. Welche Erkenntnisse hast du in der Zeit gesammelt?

Meine Erfahrungen waren sehr vielseitig. Die Menschen in der Modewelt sind genauso bunt, wie die Mode selbst und es wird einem nie langweilig. Die Mode ist ständig in Bewegung, weil sie aktuelle Entwicklungen aus der Gesellschaft aufsaugt und daraus Produkte entwickelt. Das hat mich an meinem Job am meisten fasziniert. Die Schnelligkeit der Modebranche hat aber auch ihre Schattenseiten. Es herrscht ein enormer Zeit- und Wettbewerbsdruck, der sich auf alle Beteiligten niederschlägt. Dabei trifft es die Menschen, die in der Lieferkette am weitesten entfernt sind, am stärksten. Während wir hier versuchen den Preis noch weiter zu drücken, können Baumwollbauern in Indien ihre Familie nicht ernähren.

Ich bin schon sehr früh zu einem familiengeführten Modekonzern gewechselt, in der Hoffnung, dass dort die Arbeitsbedingungen auf beiden Seiten besser sind. Das waren sie tatsächlich auch und mir hat mein Job wieder Freude bereitet. Allerdings hat die Geschwindigkeit der Modebranche über die letzten Jahre rasant zugenommen und damit auch der Wettbewerbsdruck. Vor einigen Jahren überkam mich das Gefühl, dass die Modebranche nicht mehr “intakt” ist. Zum einen geschahen die schlimmen Katastrophen in den Produktionsländern. Zum anderen sanken die Bekleidungspreise enorm und damit gleichzeitig auch die Qualität. Es kam zu einer Abwertung der Mode und ich wollte nicht mehr Teil dieser Industrie sein.

Wieso hast du dich dazu entschieden, mit deinem eigenen Label nachhaltige Mode herzustellen und zu fördern?

Es war schon immer mein Traum mein eigenes Modelabel zu gründen. Obwohl mich die Modebranche über die letzten Jahre schwer enttäuscht hat, ist meine Leidenschaft für Mode einfach zu groß. Ich wollte mich nicht von der Mode und meinem Traum abwenden, sondern wieder Mode schaffen, mit der ich mich identifizieren kann. Das bedeutet für mich Mode wirklich designen (und nicht kopieren), gut sitzende Passformen entwickeln, hochwertige Materialqualitäten verwenden und eine umweltschonende und faire Produktion umzusetzen.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, dass dich über Mode hinaus beschäftigt?

Bei mir war die Entwicklung zu einem nachhaltigeren Leben eine ganz Klassische: Mit der Geburt meiner Tochter, wollte ich alles besser machen. Meine Familie und ich sind noch lange nicht bei “allem”, aber wir versuchen unser Leben Stück für Stück nachhaltiger zu gestalten. Wir leben und konsumieren bewusster als vorher. Früher haben wir einfach nur konsumiert, d.h. nach Lust und Laune alles eingekauft, unsere alte Kleidung in die nächstgelegene Altkleidertonne geworfen und das Leben in vollen Zügen genossen ohne uns über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Heute kaufen wir mehr Bio-Lebensmittel, bevorzugen lokale Produkte und kaufen insgesamt weniger, aber dafür qualitativ hochwertiger. Unsere alte Kleidung verkaufen wir oder spenden sie an die Kleiderstiftung. Vor kurzem habe ich meinen Mann überzeugt Kaffeebecher aus Bambus zu kaufen, weil wir leidenschaftliche Coffee-to-go-Trinker sind. Es gibt meiner Meinung nach noch sehr viel Verbesserungsbedarf in unserem Leben, aber ich finde ein nachhaltiger Lebensstil muss auch Spaß machen und darf nicht wie ein Dogma auferlegt werden. Bewusstsein ist hierbei viel wichtiger als strenge Regeln zu befolgen.

Wie bist du auf den Namen “l’amour est bleu” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Ich habe sehr viele Lieblingskleidungsstücke in meinem Kleiderschrank, die mich schon seit Jahren begleiten. Dazu gehört auch ein blaues Kleid, das überall mit “l’amour est bleu” bedruckt ist. Als ich es damals gekauft habe, hatte ich bereits den Gedanken, dass ich vielleicht mein Modelabel so nennen werde. “l’amour est bleu” hat für mich gleichzeitig eine besondere Bedeutung. So wie jeder Liebe auf seine eigene Art und Weise interpretiert, so trägt auch jeder Mode auf seine eigene Weise. Mir macht es Spaß meine Persönlichkeit mit Mode auszudrücken und ich möchte auch anderen Menschen diese Möglichkeit geben.

Welche Materialien verwendest du für deine Kleidungsstücke?

Für die ersten Kollektionen habe ich GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle und Oeko-Tex 100-zertifizierte Bambusstoffe verwendet. Alle Stoffe sind frei von hautunverträglichen Chemikalien und sie werden umweltschonend und fair hergestellt. Bei allen Stoffen kann ich zurückverfolgen, wo das Rohmaterial angebaut und der Stoff hergestellt wurde. Eine transparente Lieferkette ist mir bei meiner Arbeit sehr wichtig. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen nachhaltigen Stoffen, um den modernen Look meiner Mode weiterzuentwickeln.

Wo wird die Kleidung hergestellt?

Die Kleidung wird lokal in Deutschland hergestellt. Das war mir bei der Gründung meines Labels sehr wichtig. Es ist ein sehr idealistischer Ansatz, weil die Produktion in Deutschland fast das drei- bis vierfache als im Ausland kostet. Mir lag es am Herzen, dem Land, das meiner Familie und mir soviel ermöglicht hat, etwas zurückzugeben. Ich habe in Jahnsdorf im Erzgebirge das Studio U&N gefunden – einen kleinen Produktionsbetrieb mit 27 festangestellten Schneiderinnen, die seit 29 Jahren Bekleidung herstellen. Mir waren Frau Riedel-Zerbe und Herr Weißbach sowie die angestellten Schneiderinnen auf Anhieb sehr sympathisch und die Produktion machte einen sehr professionellen Eindruck. Als ich erfuhr, dass das Erzgebirge der Ursprungsort der deutschen Textilindustrie ist, hat es mich in meiner Entscheidung für “Made in Germany” bestärkt. Ich bereue meine Entscheidung bis heute nicht, auch wenn ich bei den Produktionspreisen manchmal “tot umfallen” könnte. Das Studio U&N fertigt die Bekleidung in solch einer qualitativ hochwertigen Qualität an, die ich bisher nur bei Marken aus dem hochpreisigen Segment gesehen habe.

Was erhoffst du dir für die Zukunft?

Mein Ziel ist es, mit l’amour est bleu zu einer großen Marke heranzuwachsen, um die Modebranche langfristig zu verändern. In Zukunft soll es für den Großteil unserer Gesellschaft selbstverständlich sein, die Produktionsbedingungen ihrer Kleidung zu hinterfragen.

Interview mit der Gründerin von l'amour est bleu
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Bildquellen: © l’amour est bleu

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