Interview mit der Gründerin von Kokoworld

Interview mit der Gründerin von Kokoworld

11. Juli 2018 von Jolene

Agata Kurek ist die Gründerin des nachhaltigen Fair Fashion Labels Kokoworld, welches faire und nachhaltige Mode für Frauen herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie sechs Fragen beantwortet.

Wieso hast du dich dazu entschieden, Fair Fashion statt herkömmliche Mode herzustellen?

Ich war schon früher viel unterwegs, ich bin seit Jahren ein großer Fan von Afrika, von der Kultur und dem Handwerk. Ich habe so viele Leute gesehen, die tolle Sachen von Hand gefertigt haben, aber nicht in der Lage waren, ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen. Einmal war ich unterwegs bei einem Musikfestival in Mali und genau dort habe ich die Entscheidung getroffen etwas damit zu machen. Ich wollte diesen wunderbaren Menschen, die ich dort getroffen habe, echte Hilfe bringen, eine Möglichkeit geben, ihr Lebensniveau wirklich zu ändern. Denn ich denke, dass der würdigste Weg jemandem zu helfen ist, ihm Arbeit anzubieten. Mit diesem Gedanken bin ich mit einigen Metern bunter Stoffe von lokalen Handwerkern zurückgekommen und habe daraus die ersten Kleider von Kokoworld geschaffen. Nach genau 7 Jahren arbeiten wir mit rund einem Dutzend Handwerksleuten aus Ländern wie Cape Verde, Indonesien und Kolumbien zusammen. Alle unsere Teile werden in einer kleinen Familien-Nähstube gefertigt und unter den Stoffen, die wir verwenden, sind nachhaltige Materialien wie Tencel, Biobaumwolle oder Stoffe aus wiederverwerteten Plastikflaschen.

Wie bist du auf den Namen “Kokoworld” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Das ist eigentlich die Verbindung zwei komplett verschiedener Worte. “Koko” ist einfach mein Spitzname, schon seit Schulzeiten. “World” steht natürlich für die Welt, die ich durch Mode verbinden und verbessern will. Damit steht Kokoworld für meine Welt, die ich mit allen teilen möchte, aber auch für eine Welt, die zurzeit nur in meinem Kopf existiert, die ich aber gerne um mich herum sehen würde. Eine Welt, in der es keine Ausbeutung gibt, wo die Umwelt und Menschenrechte respektiert werden und wo alle Menschen ohne weiteres lächeln können. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ein Beispiel geben müssen, dann werden bestimmt immer mehr Leute sich uns anschließen und die gleiche Vision verfolgen – eine Welt wo, statt Fast Fashion, ethische und nachhaltige Mode der Standard sind.

Welche Materialien werden für die Kleidungsstücke von Kokoworld verwendet?

Wir setzen hauptsächlich auf nachhaltige Stoffe von vertrauten Partnern. Dazu zählen Biobaumwolle mit GOTS Siegel, Modal, Lyocell oder Bambusfaser. All diese Stoffe haben wunderbare Eigenschaften, sie sind sehr angenehm und umweltfreundlich. Einige von ihnen werden sogar für Allergiker empfohlen. Wir verwenden auch Leinen, der außergewöhnlich luftig und haltbar ist. Letztens haben wir auch unser Abenteuer mit einem neuen Stoff begonnen – PET, also Stoff aus wiederverwerteten Plastikflaschen. Wir werden in Kürze auch erstmals Stoffe aus wiederverwerteten Abfällen aus dem Meer haben. Wir sind ganz gespannt, denn genau so zeigen wir, dass wir mit kleinen Schritten die Welt verändern können. Und zwar mit Mode. Es ist toll zu sehen, wie viel sich im Bereich nachhaltiger Textilien heutzutage tut. Vor uns ist aber noch ein langer Weg und das sollten wir auch nicht vergessen. Die meisten Stoffe stammen aus vertrauten Webereien und Wirkereien aus Polen, teilweise auch aus Spanien. Die bunten, von Hand gefärbten Stoffe, stammen aber von lokalen Handwerkern aus Indonesien oder Afrika.

Und wo wird die Kleidung hergestellt?

Alle Teile entstehen in einer kleinen Familien-Nähstube bei Krakau. Dort fertigen Patryk und sein Team unsere Kleider. Patryk kennen wir persönlich seit vielen Jahren, wir besuchen seine Nähstube mindestens einmal die Woche. Dort besprechen wir aktuelle Themen bezüglich Herstellung und auch Pläne für die Zukunft, welche neuen Modelle wir in den nächsten Wochen herstellen wollen. Es ist uns sehr wichtig, dass wir genau wissen wer und zu welchen Bedingungen unsere Kleidung herstellt und bei Patryk und seinem Team können wir uns sicher sein, das alle Stoffe und Projekte in guten Händen sind.

Soll es bei Kokoworld, neben Mode für Frauen, zukünftig auch Mode für Männer und Kinder geben?

Wir haben bereits einige Produkte für Herren und Kinder, darunter sind Fliegen für große und kleine Jungen, bunte Röcke aus afrikanischen Stoffen für Mädchen und auch Maskottchen aus Reststoffen, denen wir ein neues Leben verleihen wollten. Wir haben auch schon die ersten Herren T-Shirts, die schon in unserem Laden in Krakau erhältlich sind. Wir arbeiten aber immer noch an einigen Details, sodass sie noch ein bisschen Zeit brauchen, bis sie online erscheinen. Wir wollen im Herbst die erste echte Herrenkollektion starten mit T-Shirts, Hemden, Hosen und Co. Für Kinder haben wir auch bunte Pluderhosen aus Nepal und wir wollen auch diesen Bereich unseres Label weiterentwickeln. Auf jeden Fall werden wir sowohl Kleidung für Herren als auch für Kinder in unserem Angebot aufnehmen und hoffen, dass sie auch so gut gefallen wird wie unsere Damenmode.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, dass dich über Mode hinaus beschäftigt?

Auf jeden Fall! Eigentlich hat es mich schon lange vor dem Gründen von Kokoworld beschäftigt. Eigentlich habe ich mich zuerst mit dem Thema befasst und erst später die Idee entwickelt und das Unternehmen gegründet. Nachhaltigkeit sollte eigentlich uns allen sehr wichtig sein, denn wir haben nur einen Planeten, um den wir uns zusammen kümmern sollten. Noch bevor wir unser Frühstück essen, sind wir schon von der halben Welt abhängig – wenn wir schauen, was wir essen, was wir tragen, scheinen plötzlich weit entfernte Ecken der Welt gar nicht so weit zu sein. Unsere alltäglichen Entscheidungen können eine Menge Menschenleben auf verschiedenen Kontinenten beeinflussen und darüber sollten wir uns bewusst sein, wann immer wir einkaufen. Diesen Gedanken hatte ich, als ich Kokoworld gegründet habe und auch diese Philosophie will ich der ganzen Welt mit unserer Mode übermitteln.

Bildquelle: © Kokoworld

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