Interview mit dem Gründer von Kaya & Kato

Interview mit dem Gründer von Kaya & Kato

29. Juni 2018 von Jolene

Dr. Stefan Rennicke ist einer der Gründer des nachhaltigen Fair Fashion Labels Kaya & Kato, welches faire und nachhaltige Arbeitskleidung herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat er sechs Fragen beantwortet.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden, faire und nachhaltige Arbeitskleidung herzustellen?

Ich, meine Frau Stefanie und unser Freund Lillo Scrimali haben das Unternehmen Kaya & Kato zu dritt gegründet. Die Idee dazu kam uns als wir abends in einem tollen Restaurant mit gutem Essen, guter Atmosphäre und toller Einrichtung saßen. Alles war perfekt nur das Servicepersonal war in billigste Schürze gekleidet – das passte überhaupt nicht in das Gesamtkonzept. Aus diesem Eindruck heraus haben wir Kaya & Kato entwickelt, haben uns den Textilmarkt angeschaut und schnell festgestellt, dass der Bereich der Arbeitsbekleidung extrem preisgetrieben ist und andere Aspekte kaum eine Rolle spielen. Wir drei Gründer sind vom Prinzip der Nachhaltigkeit fest überzeugt. Da haben wir angesetzt.

Für uns spielen Aspekte wie Anbau der Rohstoffe, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle. 100 Prozent unserer Baumwolle ist Biobaumwolle, die aus Entwicklungsländern stammt, wo diese Themen heikel sind. Da kommen uns meine Erfahrungen aus zehn Jahren internationaler politischer Zusammenarbeit zugute. Einer meiner Arbeitsbereiche war die Arbeit mit afrikanischen Ländern. Ich habe zahlreiche Entwicklungsprojekte gesehen und bin fest davon überzeugt, dass man als Unternehmer mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung sehr viel erreichen kann. Während meiner Tätigkeit kam ich auch immer wieder mit Baumwollprojekten in Kontakt. Jetzt arbeiten wir mit Kaya & Kato u.a. mit einer Baumwollkooperative im Norden Ugandas zusammen, die hervorragende Biobaumwolle produziert. Uganda war eins meiner Schwerpunktländer, sodass ich bei meinen regelmäßigen Besuchen auch immer mit Vertretern des Bildungsministeriums sprechen kann, inwieweit Nachhaltigkeit in der schulischen oder beruflichen Bildung eine Rolle spielt. Wir prüfen diesbezüglich ein Projekt, das sich eventuell bis Ende des Jahres konkretisiert.

Wie seid ihr auf den Namen “Kaya & Kato” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Die Entstehungsgeschichte unseres Firmennamens ist weit weniger spannend, als der Klang. Wir haben nach einem Firmennamen gesucht, der ein Synonym für einen männlichen Namen und für einen weiblichen beinhaltet. Die Namen sollten zusammenpassen und auch optisch gut aussehen. Hinzu kam die Herausforderung einen Namen zu finden, der Markenrechtlich bisher noch nicht geschützt war. So sind wir letztlich bei Kaya & Kato gelandet.

In welchen Branchen wird eure Arbeitskleidung eingesetzt?

Wir produzieren mit unserem Label Kaya & Kato zurzeit Berufsbekleidung mit dem Schwerpunkt auf die Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel. Mittlerweile werden unsere Schürzen aber auch in Gärtnereien, bei Friseuren und Barbern getragen. Alle haben gemein, dass sie Wert auf eine hochwertige Arbeitskleidung legen und daran interessiert sind, wo und wer ihre Bekleidung gemacht hat.

Woher kommen die Materialien für eure Kleidungsstücke?

Zur Zeit stellen wir unsere Workwear ausschließlich aus biologisch angebauter Baumwolle her. Den größten Teil der Baumwolle beziehen wir aus Uganda und Kirgisistan. Sie ist nach IVN-BEST und GOTS zertifiziert, den höchsten Standards im Bereich der Biobaumwolle. Besonders wichtig ist uns, dass wir Partner und Zulieferer persönlich kennen. So können wir eine langfristige Zusammenarbeit anstreben und die Bauern mit sicheren Einnahmen kalkulieren. Während im konventionellen Baumwollanbau Jahr für Jahr Menschen an Pestizidvergiftungen sterben, erlaubt der Biobaumwollanbau, die Fruchtbarkeit der Böden und die Sauberkeit des wichtigen Grundwassers auf natürliche Art zu erhalten. Zudem gibt der Anbau von Biobaumwolle den Menschen in der Region Stabilität und eine Perspektive für die Zukunft. Gemeinsam mit unserem Partner Cotonea wird die Biobaumwolle zu besten Stoffen verarbeitet. Mit dem Kauf unserer Arbeitskleidung erwerben unsere Kunden nicht nur hochwertige Produkte, sondern haben Einfluss auf die Entwicklung Afrikas und Kirgisistans und können die direkte Wirkung ihrer Kaufentscheidung sehen.

Und wo wird die Kaya & Kato Kleidung hergestellt?

Das Herstellen von Textilien, vom Baumwollanbau bis zum fertigen Produkt, ist ein aufwändiger Prozess. Viele Menschen sind daran beteiligt. Wir von Kaya & Kato achten bei der Produktion unserer Schürzen auf höchste Qualität und faire Produktionsbedingungen. Dazu arbeiten wir mit Partnern zusammen, die bei der Textilproduktion Menschen und Umwelt in den Vordergrund stellen. All unsere Produkte sind langlebig, sie sind hochwertig und nicht nur von uns, sondern auch von unseren Zulieferern mit großer Sorgfalt hergestellt. Die herkömmliche Baumwollindustrie ist eine riesige Maschinerie. Baumwolle wird an den globalen Rohstoffmärkten und Warenterminbörsen gehandelt. Von der globalen Baumwollproduktion sind gerade mal ca. 1 Prozent Biobaumwolle. Mit der Verwendung von Biobaumwolle unterstützen wir eine nachhaltige Landwirtschaft und wenden uns gegen genetisch modifizierte Baumwollsorten, die Zerstörung der Biodiversität, den Einsatz von Chemikalien und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken für Menschen die an der Produktion beteiligt sind oder unsere Produkte tragen.

Geschneidert werden unsere Produkte in Köln, Portugal und Tschechien in Konfektionen, die wir regelmäßig besuchen. Denn wir verlassen uns nicht nur auf Siegel und Zertifikate. Wir wissen, wer die Baumwolle anbaut, wie sie angebaut wird, wo die Stoffe gesponnen und unsere Schürzen genäht werden, so dass wir regelmäßig zu unseren Zulieferern und Partnern reisen. Auch wenn wir vielleicht noch nicht in allen Bereichen perfekt sind, so wollen wir es werden.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, dass euch über Mode hinaus beschäftigt?

Respekt, Fairness und Qualität sind für uns fundamentale Bestandteile einer Wertschöpfungskette, auch über das Thema Mode hinaus. Im Alltag betrifft das natürlich besonders die Lebensmittel, die wir konsumieren. Aber auch im Büro achten wir z.B. darauf recycelbares Papier und umweltfreundliche Verpackungen für unsere Produkte zu verwenden, wir versuchen möglichst viel mit dem Fahrrad zu fahren und sammeln unsere Druckerpatronen in der caritasbox. Viele kleine Beiträge, die aber langfristig dazu beitragen, die Umweltbelastung zu reduzieren.

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Bildquellen: © Kaya & Kato

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