Interview mit Miriam Trebels von erlich textil

Interview mit Miriam Trebels von erlich textil

27. Juni 2018 von Jolene

Miriam Trebels arbeitet in der Marketingabteilung des nachhaltigen Fair Fashion Labels erlich textil, welches faire und nachhaltige Unterwäsche für Frauen und Männer herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie sechs Fragen beantwortet.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden, nachhaltige Unterwäsche herzustellen?

Sarah Grohé und Benjamin Sadler, die beiden Gründer von erlich textil, sind auf die Idee gekommen, weil das Thema Nachhaltigkeit bereits in vielen Bereichen in ihrem Leben angekommen und verankert war, sie aber bei der Suche nach nachhaltig und fair produzierter Unterwäsche schnell festgestellt haben, dass die Auswahl doch sehr begrenzt ist. Entweder war die Wäsche unbezahlbar oder entsprach nicht gerade ihren Vorstellungen, was das Design, die Farben und alles Drumherum anging. Die beiden waren aber überzeugt, dass das doch besser gehen muss und haben sich dann relativ schnell dazu entschieden, diese Marktlücke zu schließen.

Wie seid ihr auf den Namen “erlich textil” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Bei der Namensfindung war Sarah und Benjamin vor allem wichtig, dass der Markenname genau das ausdrückt, was wir mit unseren Produkten, Werten und Zielen vermitteln wollen: Fairness, Nachhaltigkeit, Transparenz und Qualität. Das alles hat das Wort Ehrlichkeit für sie vereint. Weil es aber auch Teil des Konzeptes ist, das traditionsreiche Textilhandwerk ins 21. Jahrhundert zu überführen, haben sie sich letztlich für das altdeutsche Wort erlich entschieden, um sich auf genau diese Tradition zu besinnen.

Woher stammen die verwendeten Materialien für eure Kleidungsstücke?

Wir verwenden Baumwolle, Biobaumwolle (kbA – kontrolliert biologischer Anbau), Modal und Micromodal. Die Rohmaterialien beziehen unsere Produzenten u.a. aus Österreich (Lenzing Modal und Micromodal), Indien (kbA Baumwolle) und Ägypten (Baumwolle). Gestrickt wird hauptsächlich in Deutschland, Portugal und der Türkei.

Wie lange ca. dauert die Herstellung eines BHs oder einer Unterhose?

Wir brauchen circa 5-6 Monate für die Herstellung eines BHs – also von der Idee bis zum Produkt in unserem Onlineshop. Die Herstellung einer Unterhose geht etwas schneller, da die Produkte nicht ganz so kompliziert und aufwendig sind, was die Produktentwicklung anbelangt.

Und wo genau wird die erlich textil Unterwäsche hergestellt?

Alle Produkte von erlich textil werden in Europa gefertigt, die Designs entstehen in unserem Büro in Köln in enger Zusammenarbeit mit unserem Produzenten in Albstadt auf der Schwäbischen Alb (sämtliche Unterwäsche) und in Porto, Portugal (T-Shirts und Socken).
An der gesamten Produktionskette sind vor allem die Türkei (Spinnerei), Deutschland (Strickerei, Färberei und Zuschnitt) und Rumänien (Näherei) beteiligt, sowie Portugal (von Spinnerei bis Näherei).

Was erhofft ihr euch für die Zukunft der Modeindustrie?

Wir sehen bereits, dass sich in der Modeindustrie vieles tut und sind froh, Teil dieses Wandels zu sein. Wir hoffen aber trotzdem, dass zukünftig noch mehr Unternehmen und auch mehr Konsumenten Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Gerade aus Verbrauchersicht ist es uns wichtig, dass die Kleidung nicht als “Wegwerfartikel” gesehen wird, bei dem der Preis im Vordergrund steht, sondern die Menschen, die Materialien und die Zeit, die hinter dem Entstehungsprozess stecken wieder wertgeschätzt werden.

Wir sehen die Verantwortung aber natürlich auch bei den Unternehmen: durch faire Löhne, gewährleistete Sozialstandards und transparente Kommunikation kann man einen nachhaltigen Wandel vorantreiben. Die Kollektionsplanung und das Produktsortiment machen für uns aber auch einen großen Teil aus. So versuchen wir zum Beispiel unser Produktsortiment so zu gestalten, dass keine unverkäuflichen Mengen produziert werden, welche am Ende keinen Nutzen tragen. Zudem ist uns die Qualität und Langlebigkeit bei Kleidung extrem wichtig, da schnelle Mode und Kollektionswechsel für einen schnellen Wechsel im Kleiderschrank stehen.

Bildquelle: © erlich textil

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