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Interview mit Kirsten Hedwig Rondot von CircleStances

Kirsten Hedwig Rondot ist eine der Gründerinnen des nachhaltigen Fair Fashion Labels CircleStances, welches faire und nachhaltige Mode für Frauen und Männer herstellt. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie sechs Fragen beantwortet.

Wieso habt ihr euch dazu entschieden Fair Fashion statt herkömmliche Mode herzustellen?

In der Textilbranche für herkömmliche Mode läuft vieles gewaltig schief. Auf Kosten der Umwelt werden gefährliche Substanzen für den Anbau der Rohstoffe oder die Produktion des fertigen Kleidungsstücks verwendet. Diese Substanzen tragen wir dann nicht nur auf unserer Haut spazieren, sie schädigen auch unsere Natur nachhaltig. Das ist nicht nur ignorant und rücksichtslos, sondern vor allem nicht zu Ende gedacht. Denn durch die Zerstörung unserer Umwelt rauben wir uns unsere eigene Lebensgrundlage. Und da möchten wir einfach nicht mitmachen, sondern gegensteuern. Aber neben der Natur werden auch die Menschen in den Fast Fashion Fabriken meist ausgebeutet und müssen unter Bedingungen arbeiten, die gesundheitsschädlich und in vielen Fällen einfach nicht menschenwürdig sind. Wir finden, jeder Mensch hat es verdient, unter fairen, sicheren Bedingungen zu Arbeiten und fair für seine Arbeit bezahlt zu werden – egal wo er geboren ist. Deshalb ist für uns eher die Frage, wie man sich für herkömmliche Mode entscheiden kann, statt Fair Fashion zu machen.


Wie seid ihr auf den Namen “CircleStances” gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Uns war es wichtig, dass unser Name nicht einfach nur cool klingt, sondern auch eine Bedeutung hat und die Einstellung hinter unserer Kleidung widerspiegelt. Und dann war da auf einmal ein Geistesblitz: CircleStances – ein Wortspiel aus den englischen Wörtern “Circle” und “Circumstances”. “Circle” steht für Erde, Circle of Life. “Circumstances” steht für die Umstände, die Art und Weise wie wir leben und mit unserer Welt umgehen. Wir möchten auf die vorhandenen Probleme aufmerksam machen, aber auch einen Ansatz liefern, es besser zu machen. Klimawandel, Fridays for Future, dass in unserer Welt einiges schief läuft und etwas getan werden muss ist klar. Unsere Motive runden das Bild deshalb ab, denn durch ihr Auseinander- oder Zusammenfliegen sollen sie genau das zeigen. Dass vieles auf der Kippe steht und die Erde sich bereits verändert. Aber vor allem, dass es nie zu spät ist, einen Schritt in die richtige Richtung zu machen und etwas zu bewirken. In welche Richtung man unsere Shirts liest, bleibt also jedem selbst überlassen. Wir möchten jedenfalls mit kleinen Dingen einen Unterschied machen und dafür sorgen, dass unsere Tiere ihre Dreiecke “zurückbekommen”.


Eure Kleidung ist komplett vegan. Ist Tierschutz ein wichtiges Thema für euch?

Auf jeden Fall. Unser Logo ist der Löwe – der König der Tiere. Jedes Lebewesen ist für unser Ökosystem extrem wichtig und hat es verdient, auch so behandelt zu werden. Und wir Menschen sollten uns nicht einbilden, dass wir wichtiger sind, nur weil wir herausgefunden haben, wie man ein Auto baut oder eine Glühbirne zum Leuchten bringt. Genauso wenig, wie wir wollen, dass ein Mensch bei der Produktion unserer Kleidung leidet, möchten wir, dass ein Tier dafür leidet oder sogar stirbt.


Kannst du ein wenig über eure Spendenkollektion #Drops4Future erzählen?

Mit unseren #Drops4Future-Shirts möchten wir Spenden sammeln, um Kindern in Äthiopien die Chance auf eine Zukunft zu geben – und etwas von dem Wasser zurückzugeben, das durch die Textilindustrie verbraucht wird. Das Prinzip dahinter ist “Pay what you want”. Jeder, der eins unserer #Drops4Future-Shirts kaufen möchte, um die Aktion zu unterstützen, darf selbst entscheiden, wie viel er dafür zahlen möchte. Je höher der Preis, desto höher die Spende. Denn einmal im Monat spenden wir wirklich jeden Euro Gewinn an die Neven Subotic Stiftung. Und die baut damit Brunnen und Sanitäranlagen in Schulen und Gemeinden in der Tigray-Region in Äthiopien, unter dem Titel 100% WASH.

Warum wir das machen? Wasser ist zwar seit dem 28. Juni 2010 ein Menschenrecht und für uns eine Selbstverständlichkeit, für 884 Millionen Menschen auf der Welt ist es aber immer noch ein Traum in weiter Ferne. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ist nicht nur extrem gefährlich, weil das Wasser, das die Menschen stattdessen trinken, oft voller Bakterien und Viren ist, sondern führt auch dazu, dass vor allem die Mädchen in diesen Gebieten keine Zeit haben, zur Schule zu gehen, weil sie stattdessen damit beschäftigt sind, täglich kilometerweit zur nächsten Wasserstelle zu laufen. Wir wünschen uns, dass diese Kinder die Chance bekommen, gesund aufzuwachsen und in der Schule etwas zu lernen. Und freuen uns, wenn wir mit #Drops4Future und jedem, der Teil davon wird, einen Schritt in diese Richtung machen können.


Welche Materialien werden für eure Kleidungsstücke verwendet?

Für unsere Shirts verwenden wir ausschließlich Biobaumwolle. Denn nicht nur der Natur geht es durch den Anbau von Biobaumwolle besser, sondern auch den Bauern. Durch bessere Qualität der Böden erzielen sie höhere Erträge und können ihre Familien besser ernähren. Und gesünder arbeitet es sich ohne chemische Düngemittel natürlich ohnehin. Auch unsere Pullis bestehen überwiegend aus Biobaumwolle. Aber damit sie schön weich sind und im Winter gut warmhalten, ist auch noch ein bisschen recyceltes Polyester dabei.


Und wo wird die Kleidung hergestellt?

Unsere Kleidung wird in Bangladesch hergestellt. Der ein oder andere wird jetzt bestimmt denken: “Oh Bangladesch, das kann ja nichts Gutes sein!” und hat dabei sofort den Rana-Plaza-Einsturz vor 6 Jahren im Kopf. Und genau das ist der Grund, warum wir uns dafür entschieden haben. Gerade in Ländern, in denen es viel Armut gibt, sind die Menschen auf Arbeit wie die in den Textilfabriken angewiesen. Das wird von der herkömmlichen Textilindustrie oft ausgenutzt. Das Ergebnis sind katastrophale Arbeitsbedingungen, weil die Menschen sich nicht dagegen wehren können. Denn ohne den Job könnten sie ihre Familie nicht mehr ernähren. Deswegen kann man gerade dort etwas bewegen und dafür sorgen, dass die Menschen die Arbeit, die für sie überlebenswichtig ist, behalten können, indem weiter in Bangladesch produziert wird. Arbeit die sie unter fairen, sichereren Bedingungen, mit einem gültigen Vertrag und für ein faires Gehalt tun können. Im Hinblick auf die Umwelt ist eine Produktion in Bangladesch, mit anschließendem Transport nach Deutschland, aber natürlich nicht optimal. Deswegen planen wir mindestens einen Teil unserer Kleidung in Zukunft in Portugal produzieren zu lassen.

Bildquelle: © CircleStances

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