Interview mit der Gründerin von FANCIQ

Interview mit der Gründerin von FANCIQ

Anna Gubanova ist die Gründerin der neuen Online-Auktionsplattform FANCIQ. FANCIQ ist die erste Auktionsplattform für handgemachtes und nachhaltiges Modedesign von jungen Designern. Im Interview mit dem Fair Fashion Blog hat sie sieben Fragen beantwortet.

Was genau ist FANCIQ?

FANCIQ ist die erste Online-Auktionsplattform für einzigartige Mode, die von jungen, unentdeckten Designern und frischen Labels gemacht wird. Auf FANCIQ präsentieren wir diese Unikate, die sonst nicht auf dem Markt vorhanden sind. Die meisten Designwerke sind entweder Teil einer Abschlusskollektion der jungen Designer oder die ersten Artikel eines neuen Modelabels. Fast alle Modeartikel sind handgefertigt und zeitlos, denn vor allem bei ihren Abschlusskollektionen können die Designer große Freiheiten in ihrer Kreativität genießen und müssen sich nicht zwingend an aktuellen Trends orientieren.

Wie bist du auf die Idee gekommen, FANCIQ zu gründen?

2015 habe ich eine talentierte Designerin, Lorena Winkler, in Hannover kennengelernt. Ich habe ihre Abschlusskollektion entdeckt und mich einfach in einige ihrer Kreationen verliebt. Kurz darauf habe ich sie angeschrieben und ihr ein Treffen vorgeschlagen. Ein paar Tage später saßen wir in einem Café und haben uns so gut verstanden, dass wir uns häufiger trafen und schließlich eine Freundschaft entstand. Ich lernte weitere interessante Designerinnen kennen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Dadurch bekam ich einen Einblick in das Leben dieser jungen Designerinnen und konnte schnell verstehen, wie kompliziert es ist eigene Werke zu verkaufen und dass viele Designer/innen sich einfach nicht trauen ein eigenes Label zu gründen. Einen Grund für diese Zurückhaltung sehe ich in der Schwierigkeit des „fast fashion“-Marktes, der Waren zu sehr günstigen Preisen anbietet und es den Designern sehr schwer macht, sich zu positionieren und Kunden zu erreichen.

Zusammen mit zwei Freunden fiel die Entscheidung diese Situation zu ändern. Denn viele dieser Arbeiten der Designer sind zu schön und einzigartig, als dass sie einfach nur in den Schränken hängen bleiben. Da diese Designwerke Einzelstücke sind, ist es sehr schwer einen festen Preis für sie zu bestimmen. Deshalb haben wir eine Auktion daraus gemacht.

Wie bist du auf den Namen „FANCIQ“ gekommen? Steht er für etwas bestimmtes?

Wir haben zwei Wochen lang Ideen für den Namen unseres Projektes gesammelt bevor wir uns für FANCIQ entschieden. Da wir auf FANCIQ überwiegend Unikate präsentieren, haben wir mit dem englischen Wort „unique“ gespielt. Aber dann, dachten wir, dass die Modekreationen auch teilweise sehr ausgefallen sind. Dadurch kamen wir auf das englische Wort „fancy“. Die Kombination beider Worte ergab FANCIQ. Es beschreibt am besten die Fashionartikel, die wir haben: sie sind alle „fancy“ und „unique“ zugleich.

Wie läuft eine Auktion auf FANCIQ genau ab?

Die Designer kontaktieren uns und schicken uns Fotos und Informationen zu ihrem Modeartikel. Sobald wir alle nötigen Informationen erhalten haben, stellen wir die Auktion online. Jede Auktion dauert ca. zwei Wochen. Als Besucher von FANCIQ ist es möglich direkt auf der Auktionsseite ein Gebot abzugeben. Es wird auch gezeigt wie viele Gebote bereits abgeben wurden, ob der Mindestpreis des Artikels erreicht wurde und welcher Betrag das aktuelle Höchstgebot ist. Den Modeartikel erhält am Ende der Auktion der Höchstbietende, sofern der Mindestpreis erreicht wurde. Der Bieter, der am Ende den Zuschlag erhalten hat, erhält von uns, nach Angaben zur Zahlungs- und Versandart, den Kontakt zum Designer. Sobald die Zahlung an den Designer erfolgt ist, erreicht der Artikel per Post den neuen glücklichen Besitzer oder es wird ein Treffen zur persönlichen Übergabe ausgemacht.

Wie findest du die passenden Designer für die Auktionen?

Jeder Designer kann sich direkt auf unserer Seite durch ein vorhandenes Formular anmelden und uns über seine Kollektion oder Einzelstücke informieren. Wir entscheiden dann, welche Designwerke auf FANCIQ erscheinen basierend auf diesen sechs Kriterien:

– Tragbar: Das Design sollte alltagstauglich sein und für einen angenehmen Tragekomfort sorgen. Wir legen besonderen Wert auf eine hochwertige Verarbeitung.

– Material: Bei der Auswahl achten wir auf die Angabe der Bezugsquellen des Materials und geben diese Informationen an dich weiter.

– Emotionen: Wir suchen Designs, die Emotionen auslösen. Gestaltung, Farbe und Form sollten Gefühle erwecken.

– Unikat: es handelt sich also um exklusive Einzelstücke, die es noch nicht auf dem Markt gibt.

– Designer/in: Die Persönlichkeit der/des Designers/in und seine/ihre Werte sollten sich in den Werken wiederfinden und eine bestimmte Message übertragen.

– Story: Jedes Design hat eine besondere Geschichte zu erzählen: woher kam die Inspiration für dieses Design? Wie wurde die Form und das Material ausgewählt? Was bedeuten einzelne Details?

Aber ich bin auch stetig auf der Suche nach interessanten Arbeiten von jungen Designern. Einige Werke entdecke ich auf Instagram und trete dort direkt mit den Designern in Kontakt. Ganz aktuell ist ein Pilot-Projekt mit der Fakultät III der Hochschule Hannover geplant. Hierbei geht es um die Reaktivierung von in Vergessenheit geratenen Designwerken, die schon seit langer Zeit nicht abgeholt wurden und nun auf FANCIQ eine zweite Chance erhalten werden.

Wie wichtig ist dir das Thema Nachhaltigkeit auf FANCIQ?

Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Ich bin überzeugt, dass die Fashionindustrie eine drastische Veränderung benötigt. Wir leben bereits mit den negativen Folgen der Modeindustrie, die nicht nur auf Kosten derjenigen Menschen geht, die unsere Mode herstellen, sondern auch auf Kosten unserer Umwelt ein schnelllebiges und rücksichtsloses Konsumverhalten bedient. Ich persönlich habe aufgehört die Modeartikel von den großen Modekonzernen zu kaufen und ich suche mir entweder etwas auf FANCIQ, auf den Designmärkten oder in Second-Hand-Geschäften aus.

Auf FANCIQ zeigen wir unseren Besuchern nicht nur aus welchen Stoffen ein Artikel gemacht wurde, sondern auch aus welchen Quellen die Stoffe bezogen wurden und wo der Artikel produziert wurde. Dadurch wollen wir mehr Transparenz einbringen und die Fashion, die unter menschenwürdigen Bedingungen gefertigt wird, unterstützen.

Was erhoffst du dir für die Zukunft von FANCIQ?

Ich erhoffe mir, dass immer mehr Menschen auf unser Modedesignangebot aufmerksam werden und wir durch eine große Vielfalt an individuellen Designs viele Menschen ansprechen können. Unser Ziel ist es, nicht nur deutsche junge Designer dabei zu unterstützen ihre Werke der Welt zu präsentieren und dadurch die ersten Kunden zu finden, sonder diese Plattform für alle Designer in der Welt zugänglich zu machen.

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